148 hessische Schulen fördern Hochbegabte

(Stand: 17.01.2012)

 

 

Nach 90 Schulen mit dem Gütesiegel Hochbegabung im Schuljahr 2006/2007 widmeten sich im Schuljahr 2007/2008 bereits 114 hessische Schulen der Aufgabe, besondere Förderangebote für hochbegabte Schülerinnen und Schüler einzurichten. Im Schuljahr 2010/2011 waren daraus insgesamt 140 geworden: 63 Grundschulen, 30 Gesamtschulen und 47 Gymnasien. Im laufenden Schuljahr 2011/2012 sind es 148 Schulen (64 Grundschulen, 34 Gesamtschulen und 50 Gymnasien). Sie alle setzen standortbezogen durchaus unterschiedliche konkrete Maßnahmen und Projekte um, um ihrer jeweiligen Schülerklientel gerecht zu werden und den zugehörigen Elternwünschen zu entsprechen.

 

Es hat sich gezeigt, dass die vorherige Beratung und Unterstützung durch die Staatlichen Schulämter und die dortigen schulpsychologischen Ansprechpartnerinnen und -partner zur Hochbegabung ganz wesentlich die Motivation und das Engagement von Schulen im Prozess der Antragstellung für den Erwerb des Gütesiegels Hochbegabung mit bestimmen. Dort, wo aktive und institutionalisierte Arbeitskreise Staatlicher Schulämter interessierte Schulen und ihre Kollegien unterstützen und fortbilden (und Eltern beraten), haben sich wesentlich mehr Schulen um einen Einstieg in das Gütesiegelprogramm des Hessischen Kultusministeriums beworben als in anderen Regionen, in denen es keine oder schmälere derartige Serviceleistungen gab.

 

An einer vorderen Stelle ist hierbei das Staatliche Schulamt für den Rheingau-Taunus-Kreis und die Landeshauptstadt Wiesbaden zu nennen, das in einer großen Kraftanstrengung nicht weniger als acht neue Gütesiegelschulen zum Einstieg im Sommer 2007 beigesteuert hatte. Diese Leistung ist umso höher zu werten, als dieses Schulamt bereits im Sommer 2006 in einem Zug fünf neuen Schulen zum Erwerb des Gütesiegels verholfen hatte. Voran gegangen waren in beiden Jahren die sorgfältige Beratung jeder einzelnen Schule und eine gründliche Lehrerfortbildung unter Beteiligung der begabungsdiagnostischen Beratungsstelle BRAIN in Marburg.

 

In (nur) zehn Schuljahren konnte somit die Zahl der „Hochbegabungsschulen“ in Hessen von Null auf derzeit 148 gesteigert werden. Mit dem Schuljahr 2002/2003 war mit einem ursprünglichen Grundschulprogramm zur Hochbegabung mit anfänglich 16 (und später 31) Grundschulen begonnen worden. Alle hatten sich freiwillig beteiligt und verschiedene Förderansätze entwickelt; sie arbeiteten in vier Regionalgruppen zusammen.

 

Aus den Erfahrungen und Erkenntnissen dieses Beginns erwuchs zum Jahresbeginn 2004 das Gütesiegel hochbegabungsfördernder Schulen, das sich an sieben zentralen Kriterien orientiert:

-         Verankerung der Hochbegabung im Schulprogramm,

-         Bereitschaft zur Herbeiführung einer Hochbegabungsdiagnostik im Bedarfsfall,

-         Bereitschaft zu individueller Förderung im Bedarfsfall,

-         Bereitschaft zu sachgerechter Elternberatung zur Hochbegabung,

-         regelmäßige Lehrerfortbildung zur Hochbegabung,

-         Zusammenarbeit mit kompetenten Institutionen zum Thema,

-         Dokumentation und Evaluation aller ergriffenen Maßnahmen.

 

Im Schuljahr 2004/2005 startete das Gütesiegel-Programm mit 62 Schulen verschiedener Schulformen. Daraus sind nunmehr schon 148 geworden - somit deutlich mehr als eine Verdoppelung. Alle 15 Schulamtsbereiche des Landes halten derartige Schulen vor. An der Spitze liegen dabei die Schulämter in Wiesbaden und Offenbach mit jeweils 15 Gütesiegel-Schulen, dicht gefolgt von dem Schulamt in Kassel mit 14 Schulen.

 

Insgesamt konnte damit dem weit verbreiteten Elternwunsch entsprochen werden, der sich ganz eindeutig für vielfältige und möglichst wohnortnahe schulische Förderangebote ausgesprochen hatte. So war das Hochbegabungsprogramm im hessischen Schulwesen von Anbeginn an integrativ (inklusiv) und einzelfallbezogen angelegt worden. Es beinhaltete zudem stets den Anspruch, auch die hochbegabten „Minderleister“ bzw. „Underachiever“ einzuschließen. Für diese wurde ein flankierendes Unterstützungsnetzwerk in Gestalt einer Kooperation von Schulpsychologen mit speziell fortgebildeten sonderpädagogischen Ansprechpartnerinnen und -partnern aus ausgewählten sonderpädagogischen Beratungs- und Förderzentren (BFZ) geschaffen.

 

Zudem wurde von Seiten des Hessischen Kultusministeriums im August 2007 die Existenz der von Herrn Professor Dr. D. H. Rost geleiteten zentralen begabungsdiagnostischen Beratungsstelle BRAIN an der Philipps-Universität in Marburg durch einen dritten Vertrag gesichert. Die Beratungsstelle war von dem Ministerium im September 1999 ins Leben gerufen worden. Bis zum November 2008 hatte BRAIN rund 1.530 Beratungsfälle in ausführlicher fachpsychologischer Diagnostik und Beratung abschließend bearbeitet. BRAIN ist bis heute der zentrale Eckpfeiler des gesamten hessischen Hochbegabungsprogramms. Auch alle schulischen Maßnahmen wurden in enger Abstimmung mit BRAIN entworfen und umgesetzt. Durch den Abschluss des dritten Vertrages zwischen dem Kultusministerium und der Philipps-Universität Marburg konnte der Bestand von BRAIN bis zum Jahresende 2013 abgesichert werden.

 

Dieser überaus erfreuliche Fortgang zum Thema Hochbegabung zeugt von einer beträchtlichen Nachfrage unter den hessischen Schulen und Kollegien wie auch unter der gesamten Elternschaft des Landes. In dreizehn Jahren bisheriger Aufbauarbeit konnte Beträchtliches ins Leben gerufen und zum Blühen gebracht werden. Von Seiten des zuständigen Fachreferates im Hessischen Kultusministerium wird in den Anstrengungen, der Hochbegabtenförderung eine möglichst breite Akzeptanz und eine nachhaltige Verankerung in allen hessischen Regionen zu verschaffen, auch in Zukunft nicht nachgelassen werden.

 

 

Walter Diehl

 

Hessisches Kultusministerium - Referat I.4
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